maris-navigaris

1.8.2007

14. Segeln im Südpazifik

Abgelegt unter: 022 Die grosse Ueberfahrt — admin @ 21:56

5 Tage brauchen wir von Isla Isabella aus, um endlich den Passat zu finden. Teilweise motoren wir, 80l Bezin haben wir noch zusaetzlich fuer diese Flautestrecke an Bord, lassen uns treiben, nur mit Segeln ist nicht viel. Die Bilanz: 5 Tage, 409sm, davon 140sm (28Std.) unter Motor, 193sm (59Std.) unter Segeln und 76sm (51 Std.) treibend.
Am Ende sind wir umso froher, als wir auf 4°41`S und 94°58`W die Segel setzten koennen und als wenn jemand einen Schalter umgelegt hat, blaest der Passat uns voran. In den naechsten 13 Tagen schaffen wir nun Etmale um die 120sm, einige Squallnaechte reissen uns aus unserer Routine, Schlafmangel ist dann angesagt. Aber es sind auch Naechte voller Mondschein, dem Prusten der Delphine, das Kreuz des Suedens begleitet uns die ganze Zeit. Wir fangen an zu rechnen, wann koennen wir ankommen, wenn es so weiter laeuft? Haelt sich das Wetter? Bergfest feiern wir mitten in der Nacht, jetzt gehts abwaerts. Kleine Pannen verkuerzen die Zeit, mal fliegt der eben erst gepresste Pampelmusensaft bei einer Welle durchs Schiff, einmal spinnt das GPS. Wir koennen es wieder zum laufen bringen, aber der Schreck sitzt uns trotzdem in den Gliedern. Tja und dann nutzt uns die ganze Rechnerei nichts, der Wind laesst nach und unsere Etmale werden taeglich geringer.
Auch die Angelerfolge sind bescheiden, nachdem es auf der Atlantikueberquerung jeden Tag Fisch gab, passiert hier Nichts!!! Obwohl es passiert machmal was, naemlich die Angelrauscht aus, einmal koennen wir den Fisch sogar bis ans Boot ziehen, dann gibt es einen
Knall und wir verlieren nicht nur den Fisch, sondern damit auch unseren Koeder und oft genug das Stahlvorfach. Wenn Norbert die Angeln ueber Nacht draussen laesst, kann es auch schon mal sein, das Morgen die Sehne mit allem Dran, sauber durchtrennt ist. Ich denke manchmal
es ist ganz gut das wir die Monsterfische, die es ja sein muessen, wenn sie alles abreissen, nicht an Bord bekommen, aber Norbert ist richtig ungluecklich. Haben wir doch in Erwartung der selbstgemachten Fischkonsereven kaum Dosenfisch an Bord. Hungern muessen wir trotzdem nicht, jeden Tag wird gekocht, auch wenn das oft ein Balanceakt ist und auch die Hitze es nicht einfacher macht. Aber so haben wir wenigstens keinen Appetit auf den Vogel der dann eines Tages an der Angel haengt. Vorsichtig holen wir ihn an Bord, die Verletzung durch den Haken ist nicht sehr gross und als sich unser unverhoffter Gast einige Stunden ausgeruht hat, flieg er wieder los, wer weiss vohin, vielleicht nach Gambier?
Nur noch 350sm liegen vor uns, aber es geht nicht voran, eigentlich haben wir nur noch Flaute. Die letzten Meilen ziehen sich in die Laenge, die Zeit wird zur Qual. Unsere Ziel liegt kurz vor uns, aber wir kommen nicht hin. Zum Segeln reicht der Wind, und zum Motoren der Sprit, nicht. Endlose Tage, endlose Naechte, in denen wir trotzdem nicht schlafen koennen. Tagsueber ist es heiss, kein Lueftchen regt sich und auch die gelegentlichen Regenschauer bringen keine Abkuehlung und vorallem auch keinen Segelwind. Jede Squall nutzen wir, Segel rauf, Segel runter. Das Schiff rollt fuerchterlich in den Wellen, wo kommen die wohl her. Wir versuchen uns die Zeit zu vertreiben, am Ende spielen wir sogar “Mensch aergere dich nicht” und ich verliere immer und aergere mich. Der Toern zerrt an unseren Nerven, bei der taegl. Funkrunde hoeren wir, das die Boote, die zu den Marquesas segeln, gut voran kommen. Haben wir einen Fehler gemacht, als wir uns fuer die Gambierinseln entschieden haben? Oder haben wir einfach nur Pech?
Guenther vom “Pacificislandnet” versucht uns aufzumuntern, auch wir werden irgentwann ankommen, aber wann???!!!!!
Und Guenther hat recht, mittags am 28.4 haben wir endlich Land in Sicht, die Gambierinseln liegen 33sm vor uns. Welch ein Anblick, ich muss erstmal eine Runde weinen. Uns ist klar, das wir die Inseln nicht mehr bei Tageslicht erreichen, also lassen wir uns bis zum Abemd wieder durchschaukeln in der Flaute, spielen noch eine Runde “Mensch aergere dich nicht”, ich verliere wieder, stoert mich aber heute nicht. Um 17 Uhr starten wir den Motor und fahren in die LETZTE Nacht. Norbert hofft zwar immer noch auf etwas Wind fuer die letzten Seemeilen, aber es kommt nichts und so erreichen wir genau bei Sonnenaufgang die erste Tonne an der Riffpassage. Es riecht wunderbar nach Kiefernadeln und Land, die Inseln erscheinen uns unwirklich, als das Echolot nur noch 70m Wassertiefe anzeigt, bekommen wir einen Schreck. Wir tasten uns durch die Riffe zum Ankerplatz, die “Monja” die zwei Wochen vor uns angekommen ist, begruesst uns mit Signalhoernern, drei weitereYachten ankern hier und heissen uns willkommen. Der Anker faellt um 8.30 Uhr am 29.4.2007 in Rikitea/Mangareva/Iles Gambier. 30 TAGE, 3000 SEEMEILEN; KEINE SCHAEDEN AN SCHIFF UND MANNSCHAFT !!!! Wir haben es geschafft, wir sind in der Suedsee und was machen wir, wir putzen unser tapferes, schoenes, “schnelles” Boot, als es gleich nach dem Ankerfall zu regnen beginnt, denn unserer “Antje” haben wir es zu verdanken, das wir gut angekommen sind und ein bisschen auch uns und darum putzen wir uns von innen mit einer Flasche ANKOMMSEKT!

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